Friedpark: Jerusalems- und Neue Kirche, Friedhof III
  Gedächtnisstätte

Paul Dehnicke

geboren am: 18.12.1839
gestorben am: 24.02.1914

 

Schauspieler
 

Paul Dehnicke war Mitglied des Königlichen Schauspielhauses Berlin, erst unter Intendant Botho von Hülsen, dann ab 1886, als sich zunehmend das Deutsche Theater als führende Bühne Berlins etablierte, unter Bolko Graf von Hochberg.

Dehnicke galt als heiterer, froh gestimmter Mensch, stets freundlich und herzlich. Von der Natur mit dem günstigsten Äußeren und großer schauspielerische Begabung ausgestattet, eroberte er sich die Herzen des Theaterpublikums und wurde zu einem der beliebtesten Berliner Hofschauspieler seiner Zeit. Er glänzte sowohl in komischen als auch in den tragischen Rollen und arbeitete mit so berühmten Zeitgenossen wie Friedrich Haase (1869/70), Theodor Döring, Gustav Berndal, Minona Frieb-Blumauer und Marie Seebach.

Nach anfänglicher kaufmännischer Tätigkeit und schauspielerischen Wanderjahren in einer reisenden Theatergruppe bekam der 24jährige 1863 ein Engagement am Königlichen Hoftheater in Berlin, das bis zur Jahrhundertwende auch sein berufliches Domizil blieb. Danach war er als Lehrer tätig.

Neben seiner Schauspielerkarriere wirkte Dehnicke eifrig und programmatisch in der „Schlaraffia Berolina“, einem humoristischen Unterhaltungsverein, den er (als Ritter Adonis) mit anderen 1865 gründete.
Die „Schlaraffia Berolina“ folgte dem 1859 im k.u.k.-regierten Prag von deutschsprachigen Schauspielern, Akademikern, Bürgern und sonstigen Künstlern gegründeten „Proletarierklub“, der das „Schlaraffische Reych“ ausrief, in dem man sich unmögliche Regeln aufstellte, sich ritterlich verkleidete, einander aus nichtigsten Gründen sinnlose Orden verlieh und damit zeitgenössische Zustände persiflierte.
„Tochter-Vereine“ wie die „Schlaraffia Berolina“ entstanden danach zahlreich und weltweit. Noch heute gibt es über 250 „Tochterreyche“, bei denen jeder willkommen ist und wo 11.000 Ritter aller Nationalitäten - sie sprechen unter sich ausschließlich altertümliches Deutsch vermengt mit Schlaraffenlatein - ein tief empfundener Unbill gegen Rotary-, Lions-Club und elitären Gestus verbindet.

Am Grabmal stammt das bronzene Porträtmedaillon vom Berliner Bildhauer Albert Manthe (1847-1929), einem Schüler Hermann Schiefelbeins. Die Grabplatte ist durch den großen Sturm im Sommer 2002 umgestürzt und seither unverändert liegen geblieben.

Grablage: Abt.4/2