Friedpark: Jerusalems- und Neue Kirche, Friedhof III
  Gedächtnisstätte

Prof. Otto Knille

geboren am: 10.09.1832
gestorben am: 08.04.1898

 

Maler, Illustrator
 

Otto Knille war ein renommierter Vertreter der Berliner Historienmalerei und in den Jahrzehnten nach der Reichsgründung besonders gefragt und mit Staatsaufträgen bedacht.
Er gehörte zu den Malern der Berliner Kunstakademie, die anlässlich der Siegesfeier zum Deutsch-Französischen Krieg am 16. Juni 1871 eins der fünf Velarien schufen – Monumentalgemälde, die über die „Via Triumphalis“, die Straße Unter den Linden gespannt waren.
Bekannt ist auch sein Gemäldezyklus für das Treppenhaus der ehem. Berliner Universitätsbibliothek in der Dorotheenstraße 28. Die vier auf Goldgrund gemalten, monumentalen Friesgemälde (1875-85) brachten ihm die große goldene Medaille der Berliner Jubiläums-Kunstausstellung 1886 ein, eines davon war sogar auf der Pariser Weltausstellung zu sehen. Die Bilder wurden aber alsbald der Berliner Nationalgalerie übergeben und 1888 in der Bibliothek durch schwarz-graue Kopien in Grisaille ersetzt.
Gemälde wie „Tannhäuser und Venus“ (1873) oder „Weimar 1803“ (1884), eine fiktive Zusammenkunft von Goethe mit Dichtern und Denkern seiner Zeit darstellend, sowie der Entwurf zum Wandgemälde im Altarraum der Kaiser-Friedrich-Kirche zu Golm sind typisch für sein Schaffen und die zeitgenössische akademische Kunstauffassung.
Zusammen mit Ferdinand Luthmer gestaltete er auch den braunen Tausender der Reichsbanknoten.

Otto Knille, in Osnabrück geboren, studierte 1852-56 an der Düsseldorfer Akademie, u.a. bei K. Sohn, Th. Hildebrandt und W. v. Schadow, darauf ein halbes Jahr bei dem französischen Historienmaler Thomas Couture in Paris. Anschließend hielt er sich vier Jahre in München und drei in Italien auf.
Als er 1865 nach Berlin kam, arbeitete er noch als Hofmaler am königlichen Haus Hannover, wo er 1865-70 für Königin Marie auf Schloß Marienburg einen Freskenzyklus ausführte. Mitte der 1870er Jahre hatte er in Karlbad eine bemerkenswerte Bekanntschaft mit Karl Marx.
1875 wurde er an die Kunstakademie zu Berlin berufen und übernahm als Professor 1885 ein Meisteratelier für Geschichtsmalerei. Hier hatte er oft Besuch von der kronprinzlichen Familie und Kaiserin Victoria nahm gelegentlich Malunterricht.
Er betätigte sich auch als Illustrator und publizierte eigene Abhandlungen, wie „Grübeleien eines Malers über seine Kunst“ (1887) und „Wollen und Können in der Malerei“ (1897), in denen er u.a. gegen damals moderne Kunstrichtungen wetterte, denn der Einfluß der französischen Impressionisten hatte Deutschland längst erreicht.

Knille starb im südtiroler Meran, dem damals beliebten Kurort bei den gekrönten Häuptern Europas.
Der Name Harry Mac Lean auf seiner Grabplatte wurde nachtäglich eingraviert.

Grablage: Abt. 3/2