Friedpark: Friedhof Zehlendorf
  Gedächtnisstätte

Herbert Georg Albrecht Gustav Ihering

geboren am: 29.02.1888
gestorben am: 15.01.1977

 

Dramaturg, Theaterkritiker
Publizist
 

Der als Sohn eines Geheimen Justizrates in Springe bei Hannover geborene Herbert Ihering (auch Herbert Jhering) besuchte die Gymnasien in Aurich und Hannover.
Er studierte Germanistik in Freiburg, München und Berlin. Nach Beendigung des Studiums ohne Abschluss arbeitete er ab 1909 als Theaterkritiker für die Wochenzeitschrift
'Die Schaubühne' (1918 umbenannt in 'Weltbühne').
1914-1917 war er als Dramaturg und Regisseur an der Wiener Volksbühne und ab 1918-1933 als Feuilleton-Redakteur beim 'Berliner Börsen-Courier' tätig, daneben wirkte er 1918-1920 als Lektor für den Verlag Felix Bloch Erben, 1919 als Theaterkritiker der Tageszeitung
'Der Tag', schrieb ab 1919 für die 'Vossische Zeitung', gab 1920 die Wochenillustrierte
'Der kleine Roman' und die Buchreihe 'Der Schauspieler' heraus. 1922-1933 war er weiterhin beim 'Berliner Börsen-Courier' als Theaterkritiker und ab 1934 als Redakteur für das
'Berliner Tageblatt' beschäftigt. 1936 wurde er aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und als Besetzungschef bei der Tobis Filmgesellschaft vorwiegend für Filme von Emil Jannings eingesetzt. 1942 berief man ihn als Dramaturg an das Burgtheater in Wien. 1945 wechselte er als Chefdramaturg an das Deutsche Theater in Berlin und wirkte dort bis 1954. Daneben war er Gastdramaturg an der Wiener Volksbühne. 1948 gab er den Almanach 'Theaterstadt Berlin' und 'Theater der Welt' heraus. Ab 1950 wurde er ordentliches Mitglied der Akademie der Künste der DDR, leitete seit 1955 das Theater- und Filmreferat der Zeitschrift 'Sinn und Form' und war ab 1956 als Ständiger Sekretär der Sektion 'Darstellende Kunst' tätig. Nach dem Mauerbau 1961 arbeitete er nur noch als freischaffender Publizist.

Herbert Ihering gilt als Vorkämpfer des politischen Theaters und neben Alfred Kerr als bedeutendster Theaterkritiker der Weimarer Republik. Ihm wurde 1955 der Kunstpreis der Stadt Berlin, 1955 der Lessing-Preis, 1963 die Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität zu Berlin und 1969 der Kunstpreis für Darstellende Kunst von der Jubiläumsstiftung 1848/1948 verliehen.

Werke (Auswahl):
'Regisseure und Bühnenmaler' 1921; 'Der Kampf ums Theater!' 1922;
'Reinhardt, Jessner, Piscator oder Kritikertod?' 1929;
'Emil Jannings. Baumeister seines Lebens und seiner Filme' 1941;
'Von Josef Kainz bis Paula Wessely. Schauspieler von gestern und heute' 1942;
'Heinrich Mann' 1951; 'Schauspieler in der Entwicklung' 1956;
'Von Reinhardt bis Brecht. Vier Jahrzehnte Theater und Film', 3 Bände, 1961;
'Begegnungen mit Zeit und Menschen', Autobiographie, 1963; 'Ernst Busch' 1965;
'Theater der produktiven Widersprüche' 1967.

Grabstelle: Familiengrab, Feld 003/199-200 (alt: Abt. 3 W-109-110)