Friedpark: Christophorus-Friedhof
  Gedächtnisstätte

Albert Weidner

geboren am: 24.02.1871
gestorben am: 01.02.1946

 

Schriftsetzer, Redakteur
 



Albert Weidner, der in Berlin geboren wurde, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Der Vater fiel im Deutsch - Französischen Krieg. Er erlernte den Beruf eines Schriftsetzers.

Politisch bekannte er sich seit ca.1891 zu den „Unabhängigen Sozialisten“. Er strebte aber bald zum Anarchismus und geriet seit 1895/96 deshalb unter strenger Polizeikontrolle. Er wurde Vorsitzender der „Freien anarchistisch- sozialistischen Vereinigung“ und übernahm um 1896 die Redaktion der Zeitung der „Unabhängigen“. Gleichzeitig leitete er das anarchistische Blatt „Der arme Konrad“.

Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich in seinem erlernten Beruf als Setzer. Die Familie Weidner, die aus zehn Personen bestand, war auf Grund ihrer elenden finanziellen Verhältnisse gezwungen bis zum Jahr 1913 zehnmal umzuziehen. Das fehlende Geld war auch der Grund, dass sowohl der „Sozialist“ als auch „Der arme Konrad“ nicht weitergeführt werden konnten.

Seit dem 04.05.1902 gab Weidner die Zeitung „Der arme Teufel“ heraus. Für ein Jahr arbeitete auch Erich Mühsam als Redakteur für das Blatt. Den Satz machte Weidner in seiner Wohnung selbst. Um den Drucker vor Polizeimaßnahmen zu schützen meldete er eine Druckerei an. Durch seine finanziellen Engpässe erschien der „Arme Teufel“ unregelmäßig und wurde 1905 eingestellt.

Weidner ging auf Reisen nach Süddeutschland und Holland, wo er für den Anarchismus agitierte. In den folgenden Jahren wandte sich Weidner immer mehr vom Anarchismus ab. Er legte seine Tätigkeit als Redakteur nieder und wurde sogar 1913 aus der „Anarchistenliste“ der Berliner Polizei gestrichen.

Nach dem Tod seiner Frau heiratete Weidner 1925 ein zweites mal und verzog nach Charlottenburg. Hier wurde er 1943 ausgebombt und kehrte nach Friedrichshagen zurück. Von Mai 1945 bis November 1946 wohnte er bei Verwandten in der
Bruno-Wille-Str. 75, wo er auch verstarb.

In der Zeit bis zu seinem Tod hielt er an der Volkshochschule Friedrichshagen Vorträge und entfernte faschistische und rassistische Literatur aus den Leihbibliotheken.
Grablage: Feld B