Friedpark: Parkfriedhof Lichterfelde
  Gedächtnisstätte

Dr. Agnes Bluhm

geboren am: 09.01.1862
gestorben am: 12.11.1943

 

Gynäkologin
 
Agnes Bluhm war die Tochter eines deutschen Generals. Sie wuchs mit ihren Geschwistern in Berlin auf. Den Vater, der im Dienst der türkischen Armee stand, sah Agnes sehr wenig. Ihm zuliebe absolvierte sie zunächst eine Lehrerinnenausbildung. Geprägt durch Begegnungen mit der Medizinstudentin Anna Dahms wollte sie Ärztin werden. Sie begann das Studium 1886 in Zürich. 1890 promovierte sie im Fach Gynäkologie.

Dr. Bluhm ließ sich als Ärztin in Berlin nieder. Sie war damals die dritte Ärztin in Deutschland. Einige Jahre später eröffnete sie die „Poliklinik für Frauen und weibliche Ärzte“ in Berlin. 1905 musste sie aus gesundheitlichen Gründen ihre Praxis aufgeben.
Dr. Bluhm gründete die Gesellschaft für Rassenhygiene. Sie war beteiligt am Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie von Alfred Ploetz. Von 1919 bis 1942 forschte die Ärztin am Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut für Biologie. Sie testete, wie sich Alkohol auf die Gesamtheit aller Gene von Mäusen auswirkte, und machte dazu rund 32000 Tierversuche.

Für ihre 'Verdienste um die Volksgesundheit' erhielt Dr. Bluhm 1932 zu ihrem 70. Geburtstag die „Silberne Staatsmedaille“. Im Jahre 1936 wurde ihre letzte große Arbeit veröffentlicht: „Die rassenhygienischen Aufgaben des weiblichen Arztes“. An ihrem 80. Geburtstag wurde sie als erste Frau mit der umstrittenen „Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft“ geehrt.

Dr. Bluhm veröffentlichte zahlreiche Schriften zur Rassenhygiene und zur Stellung der Frau in der Gesellschaft. Während sie sich zu Beginn ihres Berufslebens für Frauen aus unterprivilegierten Schichten einsetzte, reduzierte sie später geschlechtliche Probleme nur noch auf Vererbungsfragen. Ihre Rassenhygienethesen wurden von den Nationalsozialisten in deren Rassengesetze 1937 eingearbeitet.

Die Ärztin Dr. Agnes Bluhm lebte mit der Malerin Adrienne Hacker, einer Schwester der Ärztin Agnes Hacker, zusammen. Beide wurden auf dem Parkfriedhof Lichterfelde in Berlin beigesetzt.

Grablage: Urh 1-1