Friedpark: Waldfriedhof Zehlendorf
  Gedächtnisstätte
Ehrengrab

Boris Blacher

geboren am: 19.01.1903
gestorben am: 30.01.1975

 

Komponist, Musikwissenschaftler
 
Der als Sohn baltisch-deutscher Eltern in Niuzhuang/China geborene Boris Blacher wuchs wegen der Ortswechsel durch den diplomatischen Dienst seines Vaters in China, Sibirien und der Mandschurei auf. Er besuchte 1908 die englische Missionarschule in Chefoo an der Südküste des Gelben Meeres, ab 1913 die deutsche Schule im heutigen Wuhan.
Bereits mit 10 Jahren hatte er Geigen- und Harmonielehreunterricht.
Blacher zog mit seiner Familie 1914 nach Irkutsk und 1919 nach Charbin (heute Harbin) in die Mandschurei. Hier stellte er bereits Instrumentationen, u.a. für die Puccini-Oper 'Tosca' und für das Symphonieorchester von Charbin zusammen.

Nach seinem Abitur 1922 und einer Reise über Marseille und Paris nach Berlin, studierte er. Zuerst interessierten ihn Architektur und Mathematik, dann wechselte er aber 1924 an die Hochschule für Musik zum Kompositionsstudium. 1927-1931 setzte er seine Studien bei den Musikwissenschaftlern Friedrich Blume und Arnold Schering fort.
1937 erzielte er seinen Durchbruch als Komponist für Orchestermusik mit 'Concertante Musik'. 1938 - 1939 unterrichtete er als Dozent für Komposition am Dresdner Landeskonservatorium. Man entließ ihn, weil er 'entartete' Komponisten wie Hindemith und Strawinsky in seinen Unterricht einbezog.

Während des 2. Weltkrieges war Blacher als Privatlehrer für Komposition tätig. 1945-1948 arbeitete er als Kompositionslehrer am Internationalen Musikinstitut in Berlin-Zehlendorf, wechselte 1948 als Dozent an die Musikhochschule Berlin und war 1953-1970 Direktor der Hochschule für Musik Berlin.

1953 erhielt er die deutsche Staatsangehörigkeit.

1955 wurde er Mitglied der Akademie der Künste Berlin, 1956 ernannte man ihn zu deren Vizepräsidenten und 1960 wurde er Professor am Institut für elektronische Musik der Technischen Universität Berlin. Ab 1961 leitete er die Musiksektion der Akademie. 1968-1971 war Blacher Präsident der Akademie der Künste Berlin und ab 1971 deren Ehrenpräsident. 1966 war er Gründungsmitglied der Paul-Hindemith-Gesellschaft.

Boris Blacher erhielt zahlreiche Auszeichnungen, 1951 den Berliner Kunstpreis für Musik, 1960 den Musikpreis der Stadt Köln, 1961 den Großen Kunstpreis des Landes Nordrheinwestfalen, 1961 den Bach-Preis der Stadt Hamburg und 1973 die Ernst-Reuter-Plakette Berlin.
Er schrieb 13 Opern, 9 Ballettmusiken, Solokonzerte für Klavier, Violine, Violoncello, Trompete sowie Kantaten, Chor- und Kammermusikwerke und gilt als einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Gegenwartsmusik.
Ihm zu Ehren wurde an seinem Wohnhaus in Berlin-Zehlendorf, Kaunstraße 6, eine Gedenktafel angebracht.
Die Karl-Hofer-Gesellschaft vergibt alle zwei Jahre den Boris-Blacher-Preis und zeichnet damit junge Komponisten zeitgenössischer Musik aus.

Werke u.a.:
'Fürstin Tarakonaowa' Oper 1941; 'Die Flut' Oper 1947; 'Romeo und Julia' Oper 1947; 'Paganini-Variationen für Orchester' 1948; 'Lysistrata' Ballett 1950; 'Preußisches Märchen' Ballettoper 1952; 'Tristan' Ballett 1965; 'Yvonne, Prinzessin von Burgund' Oper 1973.
Grabstelle: 026/9 (alt: I – U – 831)