Friedpark: Waldfriedhof Dahlem
  Gedächtnisstätte

Dr. Klaus Gysi

geboren am: 03.03.1912
gestorben am: 06.03.1999

 

DDR-Politiker
 
Klaus Gysi war Sohn eines Arztes und einer Buchhalterin mit jüdischen Vorfahren. Nach der Schulzeit wurde er 1928 Mitglied des „Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands“ (KJVD) und trat 1931 der „Kommunistischen Partei Deutschlands“ (KPD) bei. Gysi studierte Volkswirtschaft in Frankfurt/M., Paris und Berlin und war in der Roten Studentenbewegung aktiv. Im Jahre 1935 wurde er von der Universität Berlin verwiesen, ging zunächst nach Cambridge, lebte anschließend aber in Frankreich. Mit Eintritt Frankreichs in den 2.Weltkrieg wurde er dort, wie viele andere Deutsche, zunächst interniert und kehrte dann, durch Einflussnahme der KPD, mit seiner Frau Irene (geb. Lessing) nach Deutschland zurück, um sich hier illegal politisch zu betätigen.
Nach dem Krieg wurde Gysi kurzzeitig als Bezirksbürgermeister von Berlin-Zehlendorf eingesetzt, wechselte dann aber in den Ostteil der Stadt. Hier übernahm er bis 1948 die Chefredaktion beim Blatt „Aufbau“ und wurde 1946 Mitglied der SED. Klaus Gysi engagierte sich seit 1948 viele Jahre im „Kulturbund“, zuletzt als Präsidiumsmitglied. Seine langjährige Arbeit im DDR-Verlagswesen begann 1952 beim „Verlag Volk und Wissen“ und setzte sich fort mit der Leitung des Staatsverlages „Aufbau“ (1957-1966) als Nachfolger von Walter Janka. Gysi, der auch viele Jahre Abgeordneter der DDR-Volkskammer war, wurde 1963 Mitglied des Zentralkomitees der SED und fungierte von 1966-1973 als Minister für Kultur. Er lebte danach als Botschafter in Italien, bevor er unter E. Honecker Ende 1979-1988 Staatsekretär für Kirchenfragen wurde. In dieser Funktion engagierte sich Gysi u.a. für Veränderungen in der damaligen ostdeutschen „Judenpolitik“, pflegte gute Kontakte zu amerikanisch-jüdischen Organisationen und setzte sich für DDR- Wiedergutmachungsleistungen ein.
Die Friedrich- Schiller-Universität Jena verlieh Klaus Gysi 1987 die Ehrendoktorwürde. Er war außerdem Träger verschiedener höchster staatlicher Auszeichnungen der ehemaligen DDR.

Grabstelle: Feld 013-22

jae