Friedpark: Waldfriedhof Dahlem
  Gedächtnisstätte

Dr. Paul Ronge

geboren am: 26.11.1901
gestorben am: 23.11.1965

 

Jurist, Kommunalpolitiker
 
Paul Ronge wurde in Königsberg (Kaliningrad) geboren und ist in Insterburg (Tschernjachowsk) als Sohn eines Generaloberveterinärs a.D. aufgewachsen. Im Jahre 1930 legte er sein Assessor-Examen im Justizministerium Berlin ab. Zuvor hatte er bereits in der Fachrichtung Nationalökonomie zum Thema „Preistheorie und Wirtschaftsstörung“ promoviert.
Im Februar 1930 nahm Paul Ronge eine Stelle als Assessor beim Landgericht in Königsberg an. Nur ein Jahr darauf trat er als Anwalt beim damals bekanntesten Rechtsanwalt in Ostpreußen, David Aschkanasy, in den Dienst. Da Aschkanasy Jude war, wurde beiden mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten zunächst die Arbeitserlaubnis entzogen. Einige Zeit später konnte aber doch eine Wiederzulassung der Anwaltskanzlei erreicht werden.
Eine freundschaftliche Bekanntschaft pflegte Ronge mit dem Widerstandskämpfer und Bürgermeister von Königsberg Carl Goerdeler, der am Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 beteiligt war. Demzufolge fanden auch bei Ronge Hausdurchsuchungen statt, zumal er zu den wenigen Juristen in Ostpreußen zählte, die nicht der NSDAP und dem NS-Reichswahrerbund angehörten. Dadurch wurde Ronges Arbeit zwar erschwert, aber er blieb relativ unabhängig vom staatlich gesteuerten Justizapparat und vertrat im NS-Staat viele benachteiligte Menschen. Die Folge waren eingeleitete Strafverfahren gegen ihn selbst wegen Verteidigung von Juden und Bekenntnispfarrern, sowie respektlosen Bemerkungen. Für letzteres Vergehen wurde er kurz vor Kriegsende in Abwesenheit zum Tode verurteilt.
Paul Ronge, der mit seiner Familie noch 1945 von Königsberg nach Berlin geflohen war, erhielt nach dem Krieg die Zulassung als Rechtsanwalt. Er erwarb sich als Strafverteidiger weiteres Ansehen und bekam Lehraufträge an den juristischen Fakultäten der Freien und der Technischen Universität in Berlin.
Politisch engagierte sich Ronge in der FDP (Freie Demokratische Partei Deutschland) und war später deren Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus von Berlin sowie Mitglied des Ältestenrates.
Paul Ronge machte sich auch als Kunstsammler einen Namen. Da er lange Jahre neben dem bekannten Maler Julius Freymuth gewohnt hatte, besaß er viele Werke von ihm und anderen bedeutenden Künstlern Ostpreußens aus der Zeit von 1929-1944 (z.B. Eduard Bischoff und Erich Behrendt). Nur ein Teil der Bilder konnte über den Krieg gerettet werden. Im Jahre 1963 erschien sein autobiografisches Werk „ Im Namen der Gerechtigkeit: Erinnerungen eines Strafverteidigers“.

Grabstelle: Abt. 22C – 17/18