Friedpark: Friedhof Britz I
  Gedächtnisstätte
Ehrengrab

Hermann Radtke

geboren am: 15.08.1875
gestorben am: 03.08.1969

 

Kommunalpoliker, Stadtältester
 
Der Sohn eines Schäfers kam 1887 mit seiner Familie nach Berlin und machte eine Lehre als Stuckateur. Noch nicht volljährig trat er 1893 in den Zentralverband der deutschen Stuckateure, Gipser und verwandten Berufsgenossen sowie in die SPD ein. Ab 1895 arbeitete Hermann Radtke hauptberuflich für seine Gewerkschaft. Im I. Weltkrieg wird er von 1916- 1918 als Funker an die Westfront geschickt. Radke wird Mitglied der USPD und 1917 deren Geschäftsführer und Mitglied des Zentralkomitees. 1919 erhält Radtke eine Anstellung als Direktor des Arbeits- und Wohnungsamtes Neukölln. In dieser Funktion setzt er gegen den Widerstand des Magistrats die Wiederaufnahme des U-Bahnbaus in Neukölln als Arbeitsbe- schaffungsmaßnahme durch. 1921 wird er besoldeter Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister, 1922 kehrt er zur SPD zurück. Gegen Ende der Republik wandte er sich gegen die nationalsozialistische Propaganda und ließ mehrfach die Hakenkreuzfahne vom Rathausdach entfernen. Im März 1933 wird er vor Ablauf seiner Amtszeit wegen „nationaler Unzuverlässigkeit“ als Stadtrat beurlaubt. Seine Versorgungsbezüge werden aberkannt. Mehrere Male von der Gestapo verhaftet und verhört, wird R. immer wieder freigelassen. Nach Kriegsende wieder SPD Mitglied wird er 1955 als Stadtältester geehrt. Von dem ihm in einem Entschädigungsverfahren(1965) zugestandenen Ruhegehalt mit Wirkung vom 1.10.1933 spendet er anlässlich seines 90. Geburtstages je1000 Mark für das Jugendamt und für das Sozialamt Neukölln.
Grablage: W 3-26