Friedpark: Parkfriedhof Lichterfelde
  Gedächtnisstätte

Dr. Benedict Friedlaender

geboren am: 18.07.1866
gestorben am: 21.06.1908

 

Zoologe, Verhaltensforscher, Publizist

 

Als Sohn eines jüdischen Professors für Nationalökonomie an der Berliner Universität gehörte Benedict Friedlaender der evangelischen Kirche an. Nach seinem Studium der Mathematik, Physik, Botanik und Physiologie sowie der Volkswirtschaft, promovierte er 1888 mit einem zoologischen Thema. Das Studium der Naturwissenschaften hielt Friedlaender für die Grundlage der Allgemeinbildung, im Gegensatz zu der damals üblichen Ausrichtung
auf die alten Sprachen.
Seine wissenschaftlichen Arbeiten und sein persönliches Engagement galten zeitlebens dem sogenannten „dritten Geschlecht“. Er kämpfte für die Emanzipation der homosexuellen Männerliebe und die Abschaffung des § 175 des BGB, der dies unter Strafe stellte. Neben Hirschfeld und anderen Wissenschaftlern hat Friedlaender die Anfänge der modernen Sexualwissenschaft prüfend beurteilt und dazu mit seinen Abhandlungen einen entsprechenden Anteil geleistet. Obwohl nach seiner Ansicht nur bisexuelle Männer dem Staat und der Familie gleichzeitig dienen können, er also eher frauenfeindlich eingestellt war, ging er selbst eine Ehe ein und wurde Vater.
Friedlaender förderte mit seinem Vermögen die anarchistische Zeitschrift „Kampf“ und das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WhK) von Magnus Hirschfeld, welches auch gegen die Strafbarkeit der Homosexualität kämpfte. Seine für damalige Verhältnisse provozierende Äußerung „Gesunder Menschenverstand - das revolutionärste, das es gibt!“ wurde zum prägenden Leitspruch der o.g. Zeitschrift.
Eine gewisse Beachtung fand Friedlaender auch durch seine Schrift „Der freiheitliche Sozialismus im Gegensatz zum Staatsknechtsthum der Marxisten“ mit der er
die Auffassungen von Karl Eugen Dühring gegen Karl Marx verteidigte.

1908 nahm sich Benedict Friedlaender nach langer, schwerer Krankheit
mit einer Kugel das Leben.

Grabstelle: FiW 343