Friedpark: Waldfriedhof Zehlendorf
  Gedächtnisstätte

Wolfgang Hans Otto Neuss

geboren am: 03.12.1923
gestorben am: 05.05.1989

 

Kabarettist, Schauspieler, Musiker
 

„Der Mann mit der Pauke“

 

Wolfgang Neuss, am 3. Dezember 1923 in Breslau geboren, wird mit 18 als Soldat an der Ostfront mehrfach verwundet. Dort startet er im Genesungsheim erste Versuche als Frontkomiker. Um wieder ins Lazarett zu kommen schießt sich Neuss kaum an der Front angekommen den Zeigefinger der linken Hand ab und bekommt das EK 1. Im Internierungslager organisiert er von 1945 – 1949 bunte Abende und arbeitet an seinem ersten Kabarettprogramm. Neuss und sein späterer Partner Wolfgang Müller werden 1950 vom Kabarett „Die Bonbonniere“ engagiert. Ein Berlin Gastspiel des Kabarettensembles bringt vor 20.000 Zuschauern in der Berliner Waldbühne für Neuss den Durchbruch.

 Wolfgang Müller  und Wolfgang Neuss wurden mit ihren Chansons  ein Symbol ihrer Zeit:

 

Lied vom Wirtschaftswunder


Musik: Franz Grothe / Text: Günter Neumann / Gesang: Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller (1958)

 

Die Straßen haben Einsamkeitsgefühle
Und fährt ein Auto, ist es sehr antik
Nur ab und zu mal klappert eine Mühle
Ist ja kein Wunder nach dem verlorenen Krieg
Aus Pappe und aus Holz sind die Gardinen
Den Zaun bedeckt ein Zettelmosaik
Wer rauchen will, der muss sich selbst bedienen
Ist ja kein Wunder nach dem verlorenen Krieg

Einst waren wir mal frei
Nun sind wir besetzt
Das Land ist entzwei
Was machen wir jetzt?

Jetzt kommt das Wirtschaftswunder
Jetzt kommt das Wirtschaftswunder
Jetzt gibt's im Laden Karbonaden schon und Räucherflunder
Jetzt kommt das Wirtschaftswunder
Jetzt kommt das Wirtschaftswunder
Der deutsche Bauch erholt sich auch und ist schon sehr viel runder
Jetzt schmeckt das Eisbein wieder in Aspik
Ist ja kein Wunder nach dem verlorenen Krieg

 

Als der „Mann mit der Pauke“ war Neuss Institution und unbehaglicher Kritiker des deutschen Wirtschaftswunders sowie fester Bestandteil der außerparlamentarischen und später linksalternativen Opposition. Bis zu seinem Tod am 05.05.1989 spielte er in mehr als 50 Filmen, veröffentlichte LPs und CDs als Musiker und Kabarettist, spielte auf den Theaterbühnen Berlins und in Talkrunden war er ein stets streitbarer Gegner. Am 19.05.1989 wurde er auf eigenem Wunsch neben Wolfgang Müller auf dem Waldfriedhof Zehlendorf beigesetzt 

 

Grabstätte: 027/177