Friedpark: Friedhof Wilmersdorf
  Gedächtnisstätte

Dr. Otto Ostrowski

geboren am: 28.01.1883
gestorben am: 19.06.1963

 

Kommunalpolitiker, Oberbürgermeister von Berlin
 

Otto Ostrowski stammte aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater war Leineweber in der Niederlausitz. Ihm und seinen drei Geschwistern ermöglichten die Eltern eine gute Bildung.
Ostrowski konnte das Abitur ablegen, studierte danach in Berlin, Lyon, Paris und Greifswald
Neue Sprachen. Ostrowski promovierte zum Dr. phil und legte das Staatsexamen in Französisch, Englisch und Deutsch ab.

Inzwischen war er unabhängiger Sozialist und fand deshalb im kaiserlichen Deutschland keine Anstellung als Lehrer. Ostrowski ging als Privatlehrer nach England. In der Zeit von 1909 bis 1913 gründete und leitete er unabhängige Landerziehungsheime und Freiluftschulen.

1914 bekam er seine erste Festanstellung in Lankwitz (heute Berlin-Lankwitz).
Die Revolution 1918/19 führte ihn in die Reihen der SPD. Er gründete eine Ortsgruppe und war mehrere Jahre kommunalpolitisch tätig.
Von 1918 bis 1922 war Ostrowski Bürgermeister von Lankwitz, 1922 ging er als hauptamtlicher Bürgermeister nach Finsterwalde (Niederlausitz), in seine Heimat.

Es zog ihn aber wieder nach Berlin. Er wurde 1926 Bezirksbürgermeister in Berlin-Prenzlauer Berg. 1933 entließen ihn die Nazis wegen seiner jüdischen Frau. Seinen Lebensunterhalt verdiente Ostrowski u. a. als Buchhändler. An dem Haus in Berlin-Wilmersdorf, in dem sich der Laden befand, ist eine Gedenktafel angebracht.
Ostrowski pflegte nämlich eine Freundschaft mit der Familie Deutschkron. Martin Deutschkron war ein Kollege. Er verließ Deutschland wegen der Nazis und musste seine Frau und Tochter Inge zurücklassen.

Diese baten Ostrowski um Hilfe. Er versteckte sie und sorgte für ihren Lebensunterhalt. Das war lebensrettend.
Das Haus der Ostrowskis wurde 1943 zerbombt, sie gingen in die Niederlausitz zurück. Die Deutschkrons kamen in Potsdam unter.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges konnte Familie Ostrowski nach Berlin zurückkehren.
Er war erst kommunalpolitischer Sekretär im Zentralausschuss der SPD, dann Bezirksbürgermeister von Wilmersdorf.

Bei den ersten freien Kommunalwahlen 1946 in Berlin siegte die SPD mit großem Vorsprung.
Ostrowski wurde zum Oberbürgermeister gewählt.

Inzwischen war die SED gegründet und saß mit im Abgeordnetenhaus. Es gab Streitigkeiten innerhalb der SPD zum Umgang mit den gewählten Vertretern der SED, man entzog Ostrowski das Vertrauen, er trat 1947 zurück.

Ostrowski leitete das gerade gegründete „Hauptprüfungsamt“, den Vorgänger des Rechnungshofes. Ende 1951 wurde er entgegen seinem Willen in den Ruhestand geschickt.
Inzwischen gehörte Ostrowski zur Führung des Berliner Freidenker-Verbandes. Den Vorsitz hatte er von 1950 bis 1953 inne.

Erst nach seinem Tod wurden die Verdienste Ostrowskis gewürdigt,
sein Eintreten für Verfolgte der NS-Diktatur und sein Wirken beim Wiederaufbau Berlins.
Heute trägt eine Straße in
Prenzlauer Berg seinen Namen.

Grablage: D 1 – Familiengrab 1-6