Friedpark: Luisenfriedhof II
  Gedächtnisstätte
Ehrengrab

Graf und Freiherr Robert Heinrich Ludwig von der Goltz

geboren am: 06.06.1817
gestorben am: 24.06.1869

 

Gesandter, Diplomat
 
Robert Heinrich von der Goltz ist der zweite Sohn des Generalleutnants Karl Friedrich Heinrich (Foto oben rechts). Er wurde in Paris geboren, wo sein Vater Gesandter war. Seine älteren Geschwister sind Leopoldine Eleonore und Carl Friedrich. Nach dem Tode des Vaters kam der Junge zurück nach Berlin, besuchte eine Ritterakademie in Brandenburg, ein Gymnasium in Breslau und studierte Rechtswissenschaften in Bonn und Berlin.
Nach der Beförderung zum Regierungsassessor 1842 schied er aus dem Justizdienst aus. Um sich weiterzubilden, begann er viel zu reisen, z. B. in die skandinavischen Staaten, nach Spanien und Süd- und Nordamerika. In den Revolutionsjahren 1848/49 beteiligte er sich bei der Sammlung konservativer Kräfte mit freier politischer Betätigung; er gehörte u. a. zu den Mitbegründern der „Kreuzzeitung“.
Nach dieser Unterbrechung wechselte Robert Heinrich von der Goltz im Juni 1850 in den höheren diplomatischen Dienst, der ihn als Gesandten über Athen und Konstantinopel 1862 mit dem Range eines bevollmächtigten Ministers nach Petersburg führte, wo er Otto von Bismarck ablöste. Bereits acht Monate später wurde er als Gesandter nach Paris berufen. Gleichzeitig erfolgte dort die Umwandlung der Vertretung Preußens in eine Botschaft.
Hier begann R. H. von der Goltz's eigentlich wichtige Tätigkeit, mit der er auch in die Entwicklung der deutschen Geschichte eingriff, um z. B. die Neutralität Frankreichs in Zeiten des deutsch-dänischen und später deutsch-österreichischen Kriegs zu bewirken. Hierbei verhandelte er direkt mit Kaiser Napoleon III. ohne dessen Außenminister und trug somit dazu bei, Preußen eine führende Rolle in Europa zu ermöglichen.

Persönliche Ressentiments und sachliche Gegensätze ließen R. H. von der Goltz Bismarcks Politik mit steigender Sorge betrachten. Mit dessen Methoden in der inneren Politik, z. B. der Unterdrückung der Pressefreiheit sowie der Wahlbeeinflussung durch die Staatsorgane, war er nicht einverstanden. Mit voller Überzeugung reihte er sich deshalb der aus hohen Beamten und Diplomaten bestehenden „Fronde“ ein, die den Sturz Bismarcks anstrebten. Als Botschafter konnte er direkt dem Monarchen berichten und seinen Einfluss geltend machen. Deshalb betrachtete Bismarck ihn als höchst unbequemen Gegenspieler.

Robert Heinrich von der Goltz verstarb 53-jährig in Berlin-Charlottenburg, nachdem er sich in Paris einer Zungenkrebs-Operation unterzogen hatte. Er lebte ausschließlich für die Politik; musische Interessen besaß er nicht.

Seine Grabstelle befindet sich in der Abt. SE 6 A –D; WG Südmauer