Friedpark: Zentralfriedhof Friedrichsfelde
  Gedächtnisstätte
Gedenkstätte der Sozialisten

Elisabeth Ullrich

geboren am: 12.08.1900
gestorben am: 05.06.1986

 

Schneiderin, Politikerin
 
Elisabeth Ullrich – genannt Lisa – wurde 1900 in Odessa (Russland) geboren und nach der Rückkehr der Eltern nach Deutschland besuchte sie die Volksschule. Anschließend erlernte sie den Beruf der Schneiderin. In den Folgejahren arbeitete sie als Industriearbeiterin und Schneiderin. Im Jahre 1915 siedelte sie nach Berlin um.
Im Alter von 17 Jahren trat Lisa in die Gewerkschaft und im März 1920 in die USPD ein. Hier setzte sie sich aktiv für die Vereinigung mit der KPD ein, dessen Mitglied sie im Dezember 1920 wurde. In den 1920iger Jahren wirkte sie u. a. bei der Entwicklung der Kontrollausschussbewegung mit und nahm als Delegierte am V. Kongress der Kommunistischen Internationale (KI) teil. An der 3. Internationalen Konferenz der Kommunistinnen in Moskau wurde sie in das Internationale Frauensekretariat der KI gewählt und arbeitete dann zwei Jahre unter der Leitung von Clara Zetkin (1857-1933). 1928 war Lisa Ullrich auch in der Frauenabteilung des ZK der KPD tätig. Ein Jahr später war sie an der Vorbereitung und Durchführung des 1. Reichskongresses der Werktätigen Frauen in Deutschland beteiligt. Im August 1930 fand der V. Kongress der Roten Gewerkschaftsinternationale (RGI) in Moskau statt, an dem sie teilnahm und in das Gewerkschaftskomitee der Arbeiterinnen beim Vollzugsbüro der RGI gewählt wurde und bis 1932 dort arbeitete. Als Kandidatin ihrer Partei, wurde Lisa Ullrich im Juli 1932 in den Reichstag – für den Wahlkreis 20 (Köln-Aachen) – gewählt, dem sie bis März 1933 angehörte. In den Jahren 1932/33 leitete Lisa Ullrich die Frauenabteilung im ZK der KPD.
Nach der Machtübernahme Hitlers im Jahre 1933 leistete sie zunächst in Berlin illegale Parteiarbeit unter den Frauen, bis sie Anfang November – auf Beschluss der Parteiführung – die politische Leitung des Bezirks Magdeburg/Anhalt der KPD übernahm. Noch im selben Monat wurde sie verhaftet und im Juli 1934 wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Zunächst war sie im Zuchthaus Jauer und danach in den Konzentrationslagern Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück eingekerkert. Im Mai 1939 wurde Lisa Ullrich wieder entlassen, und leistete weiterhin illegale antifaschistische Arbeit. Im August 1944 wurde sie erneut verhaftet und ins KZ Ravensbrück gebracht, wo sie dann Blockälteste der „Mutter und Kind“-Baracke wurde. Sie hatte etwa 150 hochschwangere Frauen, mehr als 100 Mütter und 96 Säuglinge zu betreuen.
Am 1. Mai 1945 wurde auch sie durch die Rote Armee befreit. Nach der Zerschlagung des Hitlerregimes trat sie erneut in die KPD bzw. SED ein. Lisa Ullrich gehörte zu den Aktivisten der ersten Stunde, die u. a. verantwortliche Funktionen übernahmen und große Verdienste erwarben. Sie wurde im Mai 1945 Bürgermeistern von Berlin-Grünau. Anschließend arbeitete Lisa Ullrich in der Zentralverwaltung für Arbeit und Sozialfürsorge und war maßgeblich an der Organisation der Aktion „Rettet die Kinder“ beteiligt. In den folgenden Jahren arbeitete sie u. a. im Parteivorstand der SED und im Ministerium für Land- und Forstwirtschaft der DDR, wo sie sich vor allem bei der Auswertung sowjetischer Erfahrungen bedeutende Verdienste erwarb. Sie wurde mit dem Vaterländischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Grablage: Pergolenweg 2