Friedpark: Friedhof Frohnau
  Gedächtnisstätte

Widerstanskämpferin gegen das NS-Regime

Gertrud Neuhof

geboren am: 28.08.1901
gestorben am: 19.11.1987

 

Stenotypistin
 

Gertrud Neuhof ist eine Überlebende des KZ Ravensbrück.
Mit ihrem Ehemann, einem Börsianer, lebt sie seit 1926 in Frohnau, einem Ortsteil der Begüterten und Besserverdienenden Berlins. Beide schließen sich der KPD in Glienicke an, da es in ihrem Wohnumfeld nur wenige Kommunisten gibt.

Schon 1931 werfen die kommenden politischen Auseinandersetzungen auch in der ruhigen Wohngegend ihre Schatten voraus. Ein Verlobter der Hausangestellten Neuhofs wird von einem SA-Mann in Wahlkampfstreitigkeiten erschossen.

Nach der Machtergreifung des Nazi-Regimes haben die Neuhofs unter zahlreichen Anzeigen und Hausdurchsuchungen zu leiden. Der Ehemann als „Nichtarier“ und Kommunist wird zum doppelten Opfer. Im Zuge der „Arisierung“ verliert er seine Stellung und findet erst wieder 1938 eine Beschäftigung als Bauarbeiter. Die beginnenden Schikanen gegen Juden ab 1939 betreffen beide: Verbot der Besuche öffentlicher Veranstaltungen, Radioentzug, später monatliche Abholung der Lebensmittelmarken statt Zusendung. Die versuchte Emigration scheitert. Bis zu seiner Verhaftung im Februar 1943 muss Karl Neuhof Zwangsarbeit leisten.


Die Eheleute nehmen 1942 trotz eigener Gefährdung einen früheren Landtagsabgeordneten der hessischen KPD, Wilhelm Beuttel, bei sich auf, der in einer Widerstandsgruppe im Ruhrgebiet aktiv ist, die alle Schichten anzusprechen versucht. Beuttel ist ein enger Mitarbeiter des Auslandsbeauftragten der KPD, Wilhelm Knöchel. Die Gestapo ermittelt durch die Entdeckung einer Neuköllner Verbindungsstelle, darauf folgende Verhaftungen und „Verhöre“ in ganz Deutschland viele Beteiligte und Unterstützer dieser Widerstandsgruppe.

Karl Neuhof wird als Jude ohne Prozess ins KZ Sachsenhausen verbracht und dort im November 1943 ermordet. Frau Neuhof selbst wird im Februar 1943 festgenommen und im Januar 1944 wegen „Begünstigung“ verurteilt. Die Untersuchungshaft wird auf die Strafe angerechnet und so wird sie erst einmal wieder freigelassen. Doch ein halbes Jahr später wird sie ins KZ Ravensbrück verschleppt. Ihre weiteren Kontakte zu oppositionellen kommunistischen und jüdischen Kreisen sind - vermutlich durch einen Spitzel - bekannt geworden.

Als eine der wenigen Insassen des KZs kann sie noch nach Kriegsende die Befreiung erleben.

Ihre Grabstelle befindet sich in der Abteilung 15.