Friedpark: Zentralfriedhof Friedrichsfelde
  Gedächtnisstätte

Verfolgter des Naziregimes

Reinhold Lochmann

geboren am: 05.02.1914
gestorben im Jahr: 2008

 

Fahrradmechaniker, Offizier, Dipl.-Gesellschaftswissenschaftler
 
Reinhold Lochmann wurde in Dresden geboren und war das zweite Kind des Töpfers Bruno Lochmann und seiner Frau Antonie. Er wuchs in einfachen Verhältnissen im Arbeiterviertel Dresden-Neustadt auf und wollte nach der Volksschule unbedingt Radiomechaniker werden. Auf Grund des politischen Engagements seines Vaters (Funktionär der KPD) und seiner eigenen Zugehörigkeit zum Kommunistischen Kinderverband „Pioniere“, bekam er die begehrte Lehrstelle nicht und wurde stattdessen Fahrradmechaniker. Seine Liebe zum Radio aber blieb, sodass er sich autodidaktisch weiterbildete. Im Jahre 1928 wurde Reinhold Lochmann Mitglied im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands und engagierte sich hier in verschiedenen Funktionen gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Nach der Machtübernahme durch die NSDAP kam es schon im April 1933 zu einer ersten Festnahme und Misshandlungen in einer SA-Kaserne. Dem schloss sich eine mehrmonatige „Schutzhaft an. Im Dezember 1933 wieder frei, setzte er die illegale Widerstandsarbeit fort. Gemeinsam mit Horst Sindermann , Erich Bär und Erich Stephan entwickelte, druckte und verteilte er Flugblätter und verbreitete weitere illegale Publikationen. Im Februar 1935 wurde Lochmann erneut verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu drei Jahren und vier Monaten Zuchthaus verurteilt. Er verbüßte seine Strafe zunächst im Zuchthaus Zwickau und ab Juni 1937 im Arbeitslager Aschendorfer Moor. Anschließend kam er nicht frei, sondern man überstellte ihn Ende Juli 1938 in das KZ Buchenwald. Wegen seiner Fähigkeiten als Radiobastler wurde er hier (unter Einflussnahme der Lager-Kommunisten) den Elektrikern zugeteilt. Man gliederte ihn außerdem in die geheime Internationale Militär-Organisation (IMO) des Lagers ein. In der Elektrikerwerkstatt entwickelte er 1939 eine technische Lösung, um über Rundfunkempfänger der Werkstatt z.B. Radio Moskau oder BBC London zu empfangen. Später baute er eigene Miniaturempfänger. Nach der Selbstbefreiung der Häftlinge ließ sich Lohmann zunächst in Waldheim/Sachsen nieder, wo die Familie seiner Schwester lebte und wurde hier 1946 stellvertretender Bürgermeister. Mit der Bildung von Kreisparteischulen wechselte Reinhold Lohmann in die Lehrtätigkeit, bis man ihn 1949 davon überzeugte, Personalchef der Thüringer Polizei zu werden. Damit begann eine mehrjährige Offizierslaufbahn. Der berufliche Werdegang führte Reinhold Lochmann mit seiner Frau und den beiden Töchtern von Waldheim über Weimar und Gera nach Berlin, da er 1960 zum Ministerium des Inneren versetzt worden war. Seit 1964 lebte die Familie in der Nähe des Tierparks in Berlin-Friedrichsfelde, dem letzten Wohnsitz von Reinhold Lochmann. Weitere Informationen unter: www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Texte35.

Grabstelle: VdN-Gräberanlage, hinterer Teil, Reihe 10

jae