Friedpark: St. Hedwig-Friedhof I
  Gedächtnisstätte

Ernst Thrasolt

geboren am: 01.08.1876
gestorben am: 20.01.1945

 

Theologe, Publizist, Dichter
 

Der in Beurig geborene Ernst Thrasolt (eigentlich Matthias Josef Franz Tressel) absolvierte sein Abitur in Trier am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. Nach seinem Studium der katholischen Theologie am Priesterseminar der Diözese Trier erhielt er 1904 die Priesterweihe und arbeitete als Kaplan in mehreren Städten, bevor er im Jahre 1908 zum Rektor einer Fürsorgeanstalt in Alf an der Mosel berufen wurde. Sein anfälliger Gesundheitszustand und seine schwierige Umgangsart waren der Grund für die wechselnden Tätigkeitsorte. Thrasolt legte 1907 das Pfarrexamen ab und bekleidete 1908 in Haag sowie 1915 in Langsur eine Priesterstelle. Schon drei Monate später legte er, durch die Zölibatverpflichtung in eine Lebenskrise gestürzt, sein Amt nieder. Mit der Kirche blieb er aber zeit seines Lebens verbunden. Ab April 1914 war Thrasolt nun zwei Jahre lang Kriegsfreiwilliger im Sanitätsdienst und später Leiter einer fahrbaren Bücherei im Baltikum. Nach dem Krieg ging er nach Berlin, traf dort auf Carl Sonnenschein, welcher ihm eine Hausgeistlichenstelle in Berlin-Weißensee besorgte.

Schon seit 1908 war Ernst Thrasolt dichterisch in Erscheinung getreten. Er veröffentlichte Gedichtbände und betätigte sich als Schriftleiter der „Efeuranken“, des „Heiligen Feuers“ und als Begründer der Monatsschrift „Vom frohen Leben“. Die Universität Würzburg verlieh ihm 1911 den Dichterpreis. Thrasolt wollte als Pazifist den Hass der Völker untereinander mit seinen Schriften überwinden helfen und den Graben zwischen Intelligenz und Arbeitern überbrücken. Die NS-Herrschaft im Dritten Reich verbot seine Werke und verfolgte ihn. Trotz Beobachtung durch die Gestapo gab er politisch Verfolgten eine Zuflucht und schrieb weiter. Durch Brandbomben, die am 06.12.1944 seine Blockhütte bei Berlin trafen, wurden viele Schriften, Skizzen, die Bibliothek und Stichwortsammlung vernichtet. Zu dieser Zeit lag Thrasolt schon im Krankenhaus und rang mit dem Tode.

Thrasolt galt als „Erneuerer der religiösen Lyrik Deutschlands“, als „bedeutendster religiöser Lyriker unter den modernen Dichtern katholischer Konfession“ (Wilhelm Knevels) und neben Johannes Kirschweng als Triers bekanntester Priesterdichter. Thrasolts letzte große Werke waren die Biographien Carl Sonnenscheins 1930 und des Berliner Missionsvikars Eduard Müller sowie das „Martyrologium der deutschen Heiligen“ 1939.
Grabstätte: Lageplan-Nr. 11