Friedpark: Jerusalems- und Neue Kirche, Friedhof II
  Gedächtnisstätte

Dr. theol. Adolph Carl Leopold Sydow

geboren am: 23.11.1800
gestorben am: 23.10.1882

 

evangelischer Theologe
 

Sydow wurde in Berlin geboren. Sein Vater war Bürgermeister von Charlottenburg. Nach dem Besuch der Dorfschule erhielt er vom 9. bis 12. Lebensjahr Privatunterricht. Anschließend besuchte er das Gymnasium „Zum grauen Kloster“. Im Alter von 19 Jahren begann Sydow das Studium der Theologie an der Berliner Universität. Er war Schüler u.a. von Nenken, Neander und Schleiermacher. Im Alter von 22 Jahren nahm er die Stelle als „Regent“ oder „Civilgouverneur“ am Berliner Kadettenkorps an. Da er 1827 das Examen mit „vorzüglich gut“ ablegte, wurde er von dem zweiten Examen entbunden. Kurze Zeit später erhielt er die Stelle als Geistlicher am Berliner Kadettenkorps.

1836 wurde Sydow von Friedrich III. als Hof- und Gardedivisionsprediger nach Potsdam gerufen. Anfang der 40er Jahre wurde er von Friedrich Wilhelm IV. in eine Kommission berufen, welche die kirchlichen Verhältnisse in England nach ihrer möglichen Vorbildwirkung für Preußen untersuchen sollte. Sydow machte keinen Hehl aus seiner Überzeugung, dass die anglikanische Staatskirche für eine neue Kirchenordnung kein Vorbild für eine neue Kirchenordnung sein kann, sondern die Übertragung von Verantwortung auf die Kirchengemeinden der beste Weg hierzu sei. 1844 kehrte er nach Potsdam zurück, es erfolgte die Berufung in die Provinzial-Synode.
Wegen seines Eintretens für Bekenntnisfreiheit geriet er auf der Generalsynode von 1846 in Zwiespalt mit Friedrich Wilhelm IV. 1848 übernahm er eine Pfarrstelle an der Neuen Kirche in Berlin, welche er bis 1876 bekleidete. 1853 wurde ihm die Doktorwürde für Theologie von der Universität Jena verliehen. Sydow war auf zahlreichen Gebieten aktiv.
Er gehörte zu den Mitbegründern von „Die Monatszeitschrift für die unierte evangelische Kirche“. Sydow zählt zu den Mitbegründern des „Protestanten Vereins“, er war auch Mitglied des „Gustav-Adolf-Vereins“.
Werke:
Beiträge zur Charakteristik der kirchlichen Dinge in Großbritannien, 2 Teile, Potsdam 1844 ff. Übersetzung der Werke von William Ellery Channing* aus dem Englischen (15 Bände)

*Channing (1780-1842) war Minister der Bundeskirche in Boston. Er galt als Verfechter für Humanismus, Toleranz und Emanzipation. In seinen Schriften trat er als Kriegsgegner auf, kritisierte herrschende Arbeitsbedingungen und setzte sich mit der z.T. mangelhaften Ausbildung auseinander. In seinen modernen Ansichten war er seiner Zeit voraus.

Grablage: Abt. 3