Friedpark: Jerusalems- und Neue Kirche, Friedhof III
  Gedächtnisstätte

Dr. Walther Harich

geboren am: 30.11.1888
gestorben am: 14.12.1931

 

Schriftsteller, Literaturhistoriker
 

Der im ostpreußischen Mohrungen geborene Walther Harig stammte aus einer einflußreichen großbürgerlichen Familie mit einem erzkonservativen Vater. Er studierte Philosophie, Germanistik und Musik in München, Leipzig, Königsberg und Freiberg i. Breisgau, wo er 1914 promovierte.
In den zwanziger Jahren galt er als sehr populärer Schriftsteller und Literaturhistoriker. Er schrieb u.a. „Angst“, „Letzte Ferien“, „Witowd und Jagiello“, den Ostpreußenroman „Der Aufstieg“. und „Jean Paul in Heidelberg“. Bekannt sind auch die von ihm als Herausgeber betreuten Schriften von E.T.A. Hoffmann.

Die Lyrikerin und Publizistin Susanne Kerckhoff (1918–1950), seine Tochter aus erster Ehe mit der Musikerin Eta Harich-Schneider, einer damals bekannten Cembalistin, wuchs im bürgerlich-liberalen Elternhaus im Berliner Westen auf und engagierte sich wie ihr jüngerer Halbbruder, der Philosoph Wolfgang Harich nach 1945 kulturpolitisch in Ostberlin. Mit ihm verband sie neben tiefer persönlicher Zuneigung auch die antifaschistische politische Gesinnung. Zuletzt Redakteurin und Feuilletonleiterin der „Berliner Zeitung“, zerbrach sie an gesellschaftlichen und privaten Widersprüchen und wählte den Freitod. Als eine der begabtesten und hoffnungsvollsten jungen deutschen Schriftstellerinnen der Nachkriegsjahre nach ihrem frühen Tod in Vergessenheit geraten, wird ihr heute in der Geschichte der deutschen Nachkriegsliteratur wieder ein gebührender Platz eingeräumt.

In Harichs zweiter Ehe mit Anne-Lise Wyneken wird 1923 Sohn Wolfgang und 1925 Tochter Gisela geboren. Wolfgang Harich, enfant terriblé der Kulturszene im Nachkriegs-Berlin, marxistischer Philosoph und Querdenker, dankte seinem Vater zeitlebens für dessen nachwirkendes antifaschistisches Denken, das ihm half, sich aus der Einbindung in die Hitlerjugend zu lösen, ihn schon siebzehnjährig in den Widerstand führte und damit auch seinen weiteren Lebensweg vorzeichnete.

Im Familiengrab fanden auch die Schwester von Harichs letzter Frau, Susanne Hess geb. Wyneken und ihr Mann Ludwig Hess, ein seinerzeit bedeutender Opern- u. Konzertsänger, ihre letzte Ruhe.

Grablage: Abt. 4/2