Friedpark: Dom Friedhof I
  Gedächtnisstätte

Heinrich August Wilhelm Stolze

geboren am: 20.05.1798
gestorben am: 08.01.1867

 

Versicherungsangestellter
Begründer des stenographischen Systems
 
Der in Berlin als Sohn eines Schuhmachers geborene Wilhelm Stolze war neben Gabelsberger der bedeutendste deutsche Stenographie-Erfinder. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und wollte Pfarrer werden. Wegen fehlender Mittel konnte er sein Studium nicht anfangen. 1817 bis 1835 arbeitete er als Versicherungsangestellter bei der Berliner Feuerversicherungsgesellschaft. Nebenbei betrieb er 20 Jahre lang Sprachstudien und erteilte Unterricht darin. Er fand die damaligen Kurzschriftsysteme 'für eine allgemeine Anwendung nicht geeignet, weil das Lesen des Geschriebenen nach Verlauf einiger Zeit zu schwierig war'. So konnte er 1841 das 'Theoretisch-praktische Lehrbuch der deutschen Stenographie' veröffentlichen, welches er 1852 erweitert und verbessert als 'Ausführlicher Lehrgang der deutschen Stenographie' herausgab. 1897 erschien es in 11. Auflage. Diese Kurzschrift übertraf die bis dahin üblichen Stenographiesysteme an Genauigkeit und festen Regeln. Mit einflussreichen Schülern, wie Jaquet und Kreßler, die sich auch für das Bekanntwerden seiner Erfindung einsetzten, gründete Stolze 1844 den Stolzeschen 'Stenographischen Verein' zu Berlin. Als Landtagsstenograph war Stolze erstmals 1847 tätig. Kurze Zeit gehörte er dem stenographischen Büro im vereinigten preußischen Landtag an, dessen Leiter (mit festem Gehalt) er 1852 wurde. 1887 wurde die Kurzschrift von Ferdinand Schrey umgestaltet und ab 1897 als System Stolze-Schrey verbreitet. Es nimmt heute in der deutschsprachigen Schweiz den ersten Platz ein.
Stolze wohnte in der Berliner Annenstraße 12 A und später, bis zu seinem Tod, Unter den Linden 54/55. Ihm zu Ehren ist eine Straße in Berlin-Friedrichshain benannt.

Stolzes Grabmal, eine Stele aus rötlichem Granit, trug noch bis zur Grenzöffnung 1989 ein bronzenes Porträtmedaillon und bronzenen Blattwerkschmuck. Beides ist entwendet worden. Verschwunden ist auch eine Gedenktafel, die an einem Pultstein vor der Stele befestigt war. Die Rückseite der Stele trägt die Inschrift: 'Dem Meister der deutschen Kurzschrift. Seine dankbaren Schüler.'

Grabstelle: Am Mittelbrunnen