Friedpark: Alter Luisenstadt-Friedhof
  Gedächtnisstätte

August Hugo Friedrich Scherl

geboren am: 24.07.1849
gestorben am: 18.04.1921

 

Zeitungsverleger
 





Die Frau, damals 24-jährig, des Buchhändlers Friedrich Scherl brachte August Scherl am 24. Juli 1849, viel zu früh, in Düsseldorf zur Welt. Die Kindstaufe erfolgte daher noch am gleichen Tag auf den Namen August Hugo Friedrich. Sein Vater war Herausgeber der „Illustrierten Zeitung“, seines kleinen Berliner Verlages. Der junge August besuchte anfangs eine Vorstadtschule, wurde dann aber von Freunden des Vaters nach Konstantinopel geholt. Nach dem Schulabschluss ging August (mit bescheidenen Mitteln) nach Düsseldorf. Ohne jedes Kapital trat er als Teilhaber der Firma „Duster & Co.“, ein kleiner Verlag in Köln, ein. Mit Ewald August König fand er einen geeigneten Schreiber für die über ein Lotterieunternehmen vertriebenen „Groschenromane“. Nach dem Verkauf des Verlages investierte er in den Bau einer Rollschuhbahn – Scherls „skating ring“ – und baute danach daraus ein Theater – das „Flora Theater“. Flora, seine erste Frau kam nach Köln. Bereits nach fünf Monaten hatte August Scherl sein ganzes Vermögen daran verloren. Flora gebar 2 Söhne, Otto und Bruno. 1880 kehrte Scherl nach Berlin zurück um im Verlag seines Vaters zu arbeiten, bevor er vergeblich versuchte die „Illustrierte Zeitung“ und das Blatt „Tägliche Berliner Neuigkeiten“ auf dem Markt zu etablieren. Scherl kehrte zu Flora zurück und Paula wurde geboren. Nach seiner Ankunft im Sommer 1883 mit seiner Familie in Berlin erschien bereits am 4. Nov. 1883 die erste Ausgabe des „Berliner Lokal-Anzeiger“ mit einer Startauflage von 200 000 Stück. Flora starb am 23.04.1885 im Alter von nur 30 Jahren. Bereits am 6. Mai 1886 heiratete er erneut, Therese Zöttl, er verliebte sich seinerzeit in ein Foto das die „Tiroler Schützenkönigin“ zeigte, bei der Auswahl für eine seiner Ausgaben. 1895 führte August Scherls Tatendrang zur Gründung der „Berliner Adressbuch-Gesellschaft“ mit überwältigendem Erfolg. 1899 erschien „Die Woche“ mit dem Besonderen der Bildberichtserstattung, lebendiger Bilder, dem Schnellverschluss. Von 1900 bis 1934 erschien „Der Tag“, eine illustrierte Zeitung, gedacht für die Mittelschicht, allerdings als Zuschussgeschäft. 1901 erschien eine weitere Zeitung „Vom Fels zum Meer“, 1904 kaufte Scherl des Weiteren „Die Gartenlaube“. Am 3.07.1913 begann der Ausstieg Scherls aus dem Verlag, der dem „Deutschen Verlagsverein“ übereignet wurde und der letztendlich 1916 in dem Hugenberg-Verlag aufging. Am 18. April 1921 starb August Scherl friedlich in seinem Bett. Er wurde auf dem Friedhof der Luisenstadt-Kirche am Südstern, neben seiner Frau Flora, versenkt. Nach Ihrem Tode in Ihrem Haus am Tegernsee, zwei Jahre später, wurde Therese auch an der Seite Ihres Gatten beerdigt.

Grablage: Feld 10 A